Heute wäre die DDR 60 Jahre alt geworden, wenn, wenn da nicht das Wörtchen wenn gewesen...
Zumindest kann man sich einmal erinnern, wie es war, als die für illegal erklärte Opposition auf die Strassen ging, als die verblendete Staatsmacht noch glaubte, alles im Griff zu haben, als die SED es schaffte, hunderttausende Freier Deutscher Jodler am Vorabend zu einem Fackelumzug zu bewegen, die den berühmten Fackellauf vom 30. Januar 1933 anlässlich der Ernennung eines gewissen Österreichers zum Reichskanzler alt aussehen ließ, als der Generalsektetär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates und des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik, Genosse Erich Honecker, seine historischen Worte sprach: "...die Mauer wird noch 50 oder Hundertjahren stehen, sofern der Grund für ihre Errichtung bestehen bleibt..."
Doch was wäre geschehen, wenn es nicht zur Maueröffnung gekommen wäre?
Wäre dann die DDR eine zweite Koreanische Demokratische Volksrepublik geworden?
Was, wenn jeder Grenzer eine Kopfprämie für jeden Mauertoten erhalten hätte? Eine Kopfprämie, ausgezahlt in 1 kg Brot, 2 Äpfel und eine Banane?
Was, wenn das Millitär am 7.10.1989 die Gewalt übernommen hätten?
Wer einmal abseits des Fackelumzuges sich in Nebenstraßen verirrte und dort die endlosen Kolonnen von Armee-Mannschaftswagen gesehen hatte, alle vollbesetzt natürlich, weiß, wie haarscharf damals alles wirklich auf Messers Schneide stand.
Heute, zwanzig Jahre später, verwischen langsam die Erinnerungen, schliesslich ist es immer besser, im Hier und Jetzt zu leben, als Vergangenem nachzusinnieren. Doch sollten wir nicht vergessen, nicht alles was uns heute selbstverständlich erscheint, ist es auch! Die persönliche Freiheit des Einzelnen muß auch heute wieder gegen kleine ewiggestrige verteidigt werden.
Wollte damals ein Erich Honecker an der Spitze einer senilen und korrupten Regierung nicht kapieren was das Volk denkt, ist auch heute die Regierung meilenweit von den Interessen des *gesamten* Volkes entfernt.
Waren die alten Politrenter um Mielke, Honecker, Stoph einfach aufgrund von Alterssenilität nicht mehr zurechnungsfähig, müssen wir uns heute fragen, ob einem von einem Attentat seelisch labil gewordenem Wolfgang Schäuble wirklich die Sicherheit eines Landes anvertraut werden sollte oder ob wir Politikern, die heute Wasser predigen und morgen Wein saufen (Schröder bei Gazprom und Clement bei RWE, um nur zwei Beispiele zu nennen), die Geschicke unseres Sozialstaates in die Hände legen wollen. Leider erfährt man immer erst hinterher, wer für welche Firma während seiner politischen Amtszeit Lobbyarbeit betrieben hat.
Insofern hat sich eigentlich nicht wirklich viel verändert.
Ob sich das Land nun DDR oder BRD nennt, das Volk gibt seine Stimme ab. Die einen bei Wahlen, die anderen durch die Drohung mit Internierung, Folter und anderen Repressalien.
Die Probleme heute sind anders als damals, aber auch das war schon immer so, dass "die Jugend unter noch nie dagewesenen Umständen leben muss"...
Wird sich also nie etwas ändern? Global und vereinfachend betrachtet: Nein. Doch im Kleinen durchaus. Und die Summe allen Kleinen bewirken erst das Bild des großen Ganzen. Und damit hat es wieder jeder selbst in der Hand, etwas zu verändern, wie damals, vor 20 Jahren!
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